Die Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) an der Riehler Straße
Was ist eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE)?
Neu in NRW eingetroffene Geflüchtete kommen zur Registrierung für wenige Stunden in die Landeserstaufnahme (LEA) in Bochum. Danach verbringen sie einige Wochen in einer Erstaufnahmeeinrichtung (EAE). Hier finden zum Beispiel Gesundheitsuntersuchungen statt. In dieser Zeit starten auch die Asylverfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die nächste Station ist eine zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE), in der die Menschen mehrere Monate bleiben.
Wie viele EAEs gibt es in NRW bzw. in Köln?
In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit sechs EAEs, davon eine im Regierungsbezirk Köln: in Bayenthal an der Schönhauser Straße. Die neue EAE an der Riehler Straße soll diese ersetzen.
Wer ist für die neue EAE zuständig?
Grundstück und Gebäude gehören dem Land NRW. Träger der EAE ist die Bezirksregierung Köln, eine Behörde des Landes. Den praktischen Betrieb vergibt sie an Dienstleister. Wer das im Falle der neuen EAE sein wird, steht im September 2026 noch nicht fest. Bis das sogenannte Umfeldmanagement die Arbeit aufnimmt, nennt das Dezernat 20 der Bezirksregierung, das für die Unterbringung Geflüchteter zuständig ist, für alle Fragen zur EAE die Mailadresse info.anwohner@brk.nrw.de.
Wie viele Menschen sollen in der EAE untergebracht werden?
Die Kapazität wurde im Lauf der Planungen auf höchstens 500 gesenkt. Das Dachgeschoss des alten Gebäudes und das Hochhaus auf dem Gelände werden nicht zur Unterbringung genutzt.
Warum keine dezentrale Unterbringung?
Gesundheitsuntersuchungen und der Start des Asylverfahrens machen eine zentrale Unterbringung nötig. Erst wenn klar ist, dass die Menschen länger in Deutschland bleiben, ist eine dezentrale Unterbringung in Wohnungen sinnvoll und möglich.
Welche Vorteile hat eine EAE für Köln?
Die Bezirksregierung Arnsberg legt regelmäßig Aufnahmeverpflichtungen der Städte und Gemeinden in NRW fest. Die Höchstbelegung der EAE wird von dieser Zahl abgezogen. Das heißt: Köln muss mehrere 100 Menschen weniger unterbringen, als es ohne eine EAE im Stadtgebiet der Fall wäre.
Wann nimmt die neue EAE ihren Betrieb auf?
Die Pläne haben sich schon mehrfach verzögert. Derzeit ist von einem Erstbezug im Herbst 2027 die Rede, eventuell aber auch erst Anfang 2028.
Wie lange wird das Gebäude als EAE genutzt werden?
Derzeit geht die Bezirksregierung von einer zehnjährigen Nutzung als EAE aus.
Was war früher in dem Gebäude?
Anfangs befand sich in dem 1908–1911 errichteten Gebäude die Oberzolldirektion, nach dem Ersten Weltkrieg das Landesfinanzamt. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau zog 1950 die Oberfinanzdirektion ein. Seit deren Auszug 2021 stehen das denkmalgeschützte Gebäude und das 1968 nebenan errichtete Hochhaus leer.
Warum überhaupt eine neue EAE?
Das Gelände der EAE Bayenthal an der Schönhauser Straße gehört nicht dem Land. Weil es für ein Bauvorhaben benötigt wird, muss die Einrichtung geschlossen werden. Da weiterhin Geflüchtete in NRW eintreffen werden, ist ein Ersatz nötig.
Wie sind die Erfahrungen mit der bisherigen EAE in Bayenthal?
Die EAE ist unauffällig. Viele in Bayenthal Ansässige wissen gar nicht, was sich auf dem Grundstück befindet. Streit oder Beschwerden gibt es lediglich ab und zu innerhalb der Einrichtung – wie wohl überall, wo mehrere 100 Menschen in beengten Verhältnissen ohne eigene Gestaltungsmöglichkeiten oder sichere Perspektive zusammenleben müssen. Vor Ort gibt es keine Willkommensinitiative und nur wenige Angebote zur Freizeitgestaltung, etwa zum Sport. Die EAE besteht aus Containern, die im Sommer sehr heiß, im Winter kalt und klamm werden können.
Was für Menschen werden in der neuen EAE wohnen?
Zahl und Zusammensetzung der Neuankömmlinge hängen von der veränderlichen Lage in den Krisenherden der Welt ab. In der EAE in Bayenthal bildeten Ende 2025/Anfang 2026 nach Auskunft der dort tätigen Asylberater*innen Familien den größten Teil der Bewohner*innen; knapp die Hälfte waren entweder allein eingereist oder ohne Partner, aber mit Kindern. Die meisten Menschen kamen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Türkei, Kosovo, Marokko und mehreren anderen afrikanischen Ländern.
Wie lange bleiben die Menschen?
Im Durchschnitt vergehen wenige Wochen, bis sie in eine ZUE transferiert werden. In Einzelfällen kann daraus ein mehrmonatiger Aufenthalt werden.
Was werden die Menschen hier während ihres Aufenthalts tun?
Es gibt viel Leerlauf zwischen den Terminen im Rahmen des Asylverfahrens oder der Gesundheitschecks. Die Menschen können die EAE tagsüber verlassen, kennen sich aber in Köln nicht aus. Kinder besuchen während ihrer Zeit in der EAE keine Schule. Unterstützungsangebote inner- und außerhalb der Einrichtung können die Lage sowohl für die Bewohner*innen als auch für die Nachbarschaft verbessern.
Wollen Sie die Menschen in der EAE unterstützen?
Melden Sie sich unter info@willkommen-im-agnesviertel.de, wenn Sie sich vorstellen können, die Geflüchteten punktuell zu unterstützen. Wir nehmen Sie dann in unseren Verteiler auf und laden Sie zu den Treffen unserer Initiative im Bürgerzentrum Alte Feuerwache ein.
Wer sind wir?
„Willkommen im Agnesviertel“ ist eine Initiative, die sich für sachliche Informationen rund um die EAE und eine wohlwollende Haltung gegenüber ihren Bewohner*innen einsetzt. Wir widersprechen populistischen Kampagnen und unterstützen Geflüchtete, die schon im Viertel wohnen – etwa mit einem Spiel- und Sprachcafé und dem Angebot, sie zu Terminen zu begleiten. Nach Inbetriebnahme der EAE wollen wir den Bewohner*innen Freizeitaktivitäten und einfache Sprachübungen anbieten und sie bei der Orientierung im Viertel unterstützen.
